Was ist Achtsamkeit?


Achtsamkeit im Sinne von MBSR bezieht sich auf das eigene Erleben im jetzigen Moment. Sie ist sozusagen eine Moment zu Moment-Aufnahme der gegenwärtigen Erfahrung von Körperempfindungen, von Gefühlen und Gedanken. Dies auf eine möglichst nicht verurteilende Weise. Achtsamkeit trägt die Qualität des stetigen Neuanfangs, einer Frische und Zuversicht mit dem zu sein, was sich gerade zeigt.

 

Die Kultivierung der Achtsamkeit kann uns Wege aufzeigen, heilsamer und geschickter mit unseren Bewertungen und Ansichten umzugehen, wie z.B. etwas sein sollte.

Sie ist das Gegenmittel für unseren „Autopiloten“, der Dinge routiniert und zweckmäßig erledigt, aber vieles ohne wirkliche aktive Präsenz tut.

 

Achtsamkeit beinhaltet ebenso die Qualität des Erinnerns, nämlich in Beziehung zu sein mit seinem Erleben und mit der eigenen Motivation dies achtsam wahrzunehmen. Wichtig im Sinne von MBSR ist, dies mit einer möglichst frischen Neugierde und mit einer möglichst wohlwollenden Freundlichkeit zu tun. Es ist ein stetiger Neuanfang, der sich neuen Mutes gewahr wird, was jetzt gerade ist.

 

Achtsamkeit zeichnet sich durch eine akzeptierende Haltung aus, die jedoch nicht alles getrost hinnimmt. Es geht schlussendlich nicht darum, alles passiv zu akzeptieren, wie es gerade ist. Es geht vielmehr darum, erstmals zu sehen, was vorhanden ist in unserer direkten Sinneserfahrung, bevor wie eine Schicht von Bewertungen, Wünschen und Ansichten darüber legen.

In diesem Sinne ist Achtsamkeit prä- oder nonverbal, das heißt Achtsamkeit ist nicht, der oder die innere Beobachter/in, sprich die Gedanken, welche/r alles kommentiert, was uns widerfährt.

Trainierte Achtsamkeit nimmt Gedanken als Gedanken und Kommentare als Kommentare wahr. Körperempfindungen wie ein Ziehen im Rücken, als ein Ziehen im Rücken, die Geräusche einer Baustelle als eine Empfindung im Hören und nicht gleich primär als störend wahr.

 

Achtsamkeit bedeutet sich den Neigungen des Herzens und Geistes bewusst zu sein.

Auf der Ebene des Herzens wenden wir uns automatisch den angenehmen Sinneserfahrungen zu und möchten sie möglichst verlängern und die unangenehmen Erfahrungen vermeiden oder schnellstmöglich beenden.

Auf der Ebene des Geistes beurteilen wir diese Erfahrungen auf mehr oder weniger hilfreiche Weise. Achtsam zu sein bedeutet, sich diesen Abläufen bewusst zu werden und einen größtmöglichen Raum zu schaffen, um mit diesen Kräften und Gewohnheiten auf eine geschickte und möglichst befreiende Art und Weise umzugehen.

 

Achtsamkeit ist keine komplizierte Religion. Jede und jeder kann achtsam sein.

Sie nimmt wahr, wie wir fühlen und denken, wie wir unsere Erfahrungen und Ansichten bewerten. Sie kann befreiend wirken und helfen heilsame Qualitäten zu kultivieren, die wir in uns und anderen wertschätzen.

 

Achtsamkeit zu üben bedeutet, zu sehen, dass das Leben nicht immer schön, angenehm und voller Leichtigkeit ist. Es kann langweilig, schmerzvoll und frustrierend sein. Aber es ist schlussendlich immer ehrlich, mit dem zu sein was gerade stattfindet.

 

Achtsamkeit ist eine aktive und zugleich passive oder rezeptive Handlung. Sie hat mit der Intention, mit der Absicht zu tun, geistesgegenwärtig zu sein in Bezug auf was wir wahrnehmen an Körperempfindungen, Gefühlen oder Gedanken und Konzepten, ohne dies verändern zu wollen oder darüber zu urteilen.